Griechisches Heiligtum entdeckt

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Griechisches Heiligtum entdeckt

Beitragvon antikefan am 21.01.2010, 21:26

Österreichische Archäologen konnten in Ephesos eine griechische Siedlung freilegen. Damit ist eine Lücke in der Geschichte der Stadt geschlossen.

Ephesos – heute mit jährlich zwei Millionen Besuchern eine der größten Touristenattraktionen in der Türkei – galt als eine der bedeutendsten Städte des Römischen Reiches. Die Stadt war Sitz des Prokonsuls für die Provinz Asia. Die Stadt behielt ihre herausragende Stellung bis in die christliche Spätantike. Doch was war vor den Römern?

Dieser Frage gingen die Forscher des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) nach. Mit Erfolg. „Wir haben aus der griechischen Siedlungszeit zahlreiche Weihereliefs für die Göttin Meter entdeckt, die von einem Naturheiligtum am Panayirdag, dem nördlichen Stadtberg, stammen. Das sind sehr prestigeträchtige Funde“, sagen Sabine Ladstätter, Direktorin des ÖAI und Archäologe Michael Kerschner erfreut.

Die Geschichte von Ephesos reicht bis in das Neolithikum zurück, fand ihren Höhepunkt in der griechisch-römischen Antike und erlebte eine letzte Nachblüte unter den Seldschuken im 15. Jahrhundert. Das, was Besucher aus aller Welt heute an Ephesos bestaunen, sind großteils Funde aus der hellenistisch-römischen Zeit, die mit König Lysimachos, einem der Generäle und Nachfolger Alexanders des Großen, im 3. Jahrhundert vor Christus begann. „Wir haben gefragt, wo das Ephesos der Zeit von 1000 bis 300 vor Christus lag, denn Lysimachos hat die Stadt verlegt, vermutlich, weil der alte Hafen versandete. Hinweise hatten wir von Grabungen des österreichischen Archäologen Josef Keil, der Anfang des 20. Jahrhunderts dort für das ÖAI forschte. Unsere türkischen Kollegen haben auf dem Ayasoluk-Hügel, nördlich der römischen Stadt, eine Ansiedlung aus der Zeit von 1000 bis 700 vor Christus entdeckt. Wir konnten jetzt auf dem Panayirdag, dem zweiten Hügel, die Forschungslücke zwischen dem 8. Jahrhundert und 300 vor Christus schließen“, erklärt Michael Kerschner. Josef Keil hatte damals Teile einer Befestigungsmauer aus der Zeit um 500 vor Christus freigelegt. Wie Untersuchungen 2008 ergaben, stimmte seine Datierung – nicht aber seine Annahme, dort sei lediglich eine Fluchtburg gewesen.

Die Archäologen wiesen jetzt auf dem Panayirdag eine Siedlung nach: „Wir fanden die Steinsockel von Häusern. Da sie damals aus Lehmziegeln gebaut waren, sind nur noch diese steinernen Reste zu sehen. Da wir auch Keramik und Webgewichte freilegen konnten, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass dort Menschen wohnten. Wer webt, bleibt. Die Siedlung war um die neun Hektar groß, das ist für die damalige Zeit als substanzielle Siedlung anzusehen. Die Leute lebten von Landwirtschaft. Wir müssen jetzt noch den Friedhof suchen, der uns weiter Aufschluss geben kann“, sagt Michael Kerschner. Zu klären wird auch sein, in welcher Verbindung die beiden Siedlungen auf den Hügeln standen und warum sie aufgegeben wurden. Ein Ende durch Krieg oder Katastrophe ist nicht belegt. Das würden die Forscher an den Fundschichten in der Erde erkennen, an Waffenfunden etwa oder an Brandresten und Spalten von Erdbeben.

Die schönste Überraschung für die österreichischen Wissenschafter war der Fund des Heiligtums der Göttin Meter und der Reliefs, die mit Votivtafeln vergleichbar sind. Meter war die Göttin des Berges, der Panayirdag war ihr geweiht. „Man hat die Göttin mit bunt bemalten Marmorreliefs verehrt, die man aus Dankbarkeit oder als Bitte um Schutz und Hilfe in natürlichen Felsnischen am Berg anbrachte. Auch Opfergaben wurden dort niedergelegt. Das hatte Josef Keil schon herausgefunden, wie meine Kollegin Feristah Alanyali-Soykal in ihrer Dissertation festgestellt hat. Wir haben über dieser Stelle eine neue natürliche Terrasse mit zehn vollständig erhaltenen Reliefs entdeckt. Drei befanden sich noch am Originalplatz“, sagt Michael Kerschner. Meter hat auf den Darstellungen Göttervater Zeus und Hermes, den Götterboten, als Begleiter. Letzterer war zudem Gott der Händler und Diebe sowie Seelengeleiter für die Toten. In welcher Funktion war er für die damaligen Bewohner wichtig? Das werden die Forscher wissen, wenn sie mehr über das Leben der Menschen herausgefunden haben.

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Die „Grabung Ephesos“ ist seit mehr als 100 Jahren einer der bedeutendsten Schwerpunkte der österreichischen Archäologie. Ephesos, das rund 70 km südlich von Izmir nahe der türkischen Westägäisküste liegt, zählt weltweit zu den renommiertesten wissenschaftlichen Projekten seiner Art. Die Region hatte intensive Kontakte in die Ägäis, die Levante und nach Anatolien. Heute ist Izmir ein großes Kultur- und Wirtschaftszentrum mit Verbindungen nach Osten und Westen. Auf die Kontinuität dieser Geschichte ist die Türkei stolz.

© SN/SW, Quelle: Salzburger Nachrichten
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