Bedeutung Germaniens in der Römerzeit

Hier kann über das "freie Germanien" zu römischer Zeit diskutiert werden

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Bedeutung Germaniens in der Römerzeit

Beitragvon Vespasian am 14.05.2005, 08:49

Seit vielen Generationen geht jetzt schon die Diskussion über Arminius, freies Germanien ect. Irgendwie kommt es mir immer so vor, als seien die Maßstäbe dabei verschoben. Kurz meine Meinung dazu.

1. Eroberungsaktivitäten des röm. Reiches waren nicht "aus dem Bauch raus" und gefühlsdusselig (was erobern wir jetzt?), sondern wirtschaftlich kalkuliert. Es ging der Oberschicht letztlich darum, Geld und Macht zu maximieren. Kriegsziel war immer die wirtschaftliche Ausbeutung.
2. Bisweilen wurden Feldzüge nötig, um das bereits Erreichte nicht zu verlieren (Kimbern/Teutonen etc.). Abwehrkriege gab es bei der Vielzahl an Grenzen fast ständig und im Lauf der Zeit auch zunehmend.
3. Mit Germanien verbanden die Römer spätestens seit dem 1.Jh.v.Chr. ein Bedrohungsszenarium. Konsequent versuchte man daher, dieses Gebiet zu unterwerfen. Ziel war hier in erster Linie, Ruhe zu bekommen. 4. Wer sich in Museen umgesehen hat, weiß dass wirtschaftlich von den Germanen nicht viel zu holen war. Das Land war nicht besonders fruchtbar, Handwerk und Bergbau nicht der Rede wert. Im Gegensatz zu den zivilisatorisch sehr viel weiter entwickelten Kelten (Urbane Strukturen, hoher Grad an Arbeitsteilung) waren die Germanen ein primitiver Bauern-/Krieger-Haufen. Es gab außer Dörfern und ein paar eher zweifelhaft befestigter Fürstensitze nichts zu erobern.
5. Nach dem Varrusdesaster wurde unter Germanicus zwar nochmals Dampf gemacht, letztlich war das Interesse Roms an der Gegend aber begrenzt. Es lohnte einfach nicht, hier noch weiter zu machen.

Arminius & Co. haben ihr Ziel wohl erreicht. Nicht unbedingt aufgrund ihrer überragenden Wehrkraft, sondern wegen dem beschränkten Interesse der Römer an Germanien. Die Beweise dafür gehen bis ins 2. Jh., als Trajan lieber das reiche Persien niedermacht, als sich mit den armseligen Strukturen Germaniens auseinanderzusetzen.

Erst sehr viel später gelingt es Karl dem Großen in einem Feldzug von über 20 Jahren die Gegend zu unterwerfen.

Gruß Martin
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Re: Bedeutung Germaniens in der Römerzeit

Beitragvon Justinian I. am 19.04.2010, 07:53

Nach den Bau des Liemes lebten Römer und Germanen eng nebeneinander.
So entwickelten sich Handelsbeziehungen.
Die Römmer handelten mit Gold,Luxuswaren,Waffen,Wein.
Die Germanen handelten mit Fellen,Frauenhaar und Stoffen.
Man sieht im laufe der Jahunderte haben die Germanen eine wichtige Stüze für Rom abgegeben.
Justinian I.
 

Re: Bedeutung Germaniens in der Römerzeit

Beitragvon aberja am 20.04.2010, 08:20

Als erstes sollte man bedenken, das "Germanien" eine römisches Bezeichnung ist. Das Gebiet zwischen Rhein und Elbe wurde Germanien genannt und demnach waren alle dort unterschiedlichen ansässigen Völker "Germanen", obwohl sie sich selber garnicht als Einheit sahen. Nach Überlieferungen haben die sich ja öfters selber gegenseitig die Köpfe eingehauen.

Im Gegensatz zu den zivilisatorisch sehr viel weiter entwickelten Kelten...
,
Nun gibt es Erkenntnisse, das selbst die Cherusker, also dem Volk von Arminius, keltische Wurzeln hatte. Hier zu unterscheiden zwischen Kelten und Germanen ist also nicht möglich.

...dass wirtschaftlich von den Germanen nicht viel zu holen war

Auch hier habe ich eine etwas andere Meinung. Neben den natürlichen Rohstoffen die gehandelt wurden, war Germanien schon anhand der Erzvorkommen und der Fruchtbarkeit des Bodens durchaus lohnend.

als Trajan lieber das reiche Persien niedermacht, als sich mit den armseligen Strukturen Germaniens auseinanderzusetzen

Wenn ich zwischen einem Landstück Wüste und einem Landstück Wald mit Seen wählen Könnte, würde ich bestimmt nicht den Sand nehmen - daran kann es auch nicht gelegen haben, das die Römer ihre Bemühungen Germanien sich einzuverleiben, scheiterte.

Ich denke eher, es war die Mentalität. So sind ja auch Charakter-Eigenschaften der "Germanen" überliefert, als Sklaven nicht tauglich, aufmüpfig, Stur usw., ähnlich den Indianern in Amerika, die am Ende durch Sklaven aus Afrika ersetzt wurden.

Das Rom auch nach der Varusschlacht großes Interesse an Germanien zeigte, beweisen ja die vielen, fast jährlich stattgefundenen Feldzüge. Hier ist erstaunlich, das diese Feldzüge meistens für die römischen Legionen siegreich verliefen. Nur eine gewonnene Feldschlacht ist am Ende wertlos, wenn man das Gebiet am Ende nicht halten kann.
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Re: Bedeutung Germaniens in der Römerzeit

Beitragvon Justinian I. am 21.04.2010, 05:16

Bite beim Thema bleiben aberja.
Die Frage heisst ,,Bedeutung Germaniens in der Römerzeit".
Und nicht ,,Waren die Germanen ein einheitliches Volk".
LG aus Konstantinopel.
Justinian I.
 


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