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Der Obergermanisch - Raetische Limes
Antikefan > Themen > Militäranlagen > Obergermanisch-Raetischer Limes


[58] Der obergermanische Limes um 200

Übersichtskarte zum Limes-Verlauf  


Der Obergermanisch-Rätische Limes war die mehr als 500 km lange Grenzbefestigung, die den Rhein mit der Donau verband. Er reichte von Rheinbrohl/Bad Hönningen am Rhein bis nach Hienheim bei Eining an der Donau. Am Limes standen mindestens 900 Wachtürme und rückwärtig der Grenzlinie über sechzig größere Kastelle, wobei drei davon Legionslager waren, sowie einige hundert sogenannte Kleinkastelle (weniger als 100 Mann Besatzung). Er ist damit das größte archäologische Geländedenkmal Mitteleuropas.

 

 

[59] Der Verlauf des gesamten Limes

 Vergrößerung der Karte

 
Funktion und Bauphasen des Limes  

Ursprünglich bedeutete das Wort Limes Weg, Besitzgrenze oder auch in den Wald geschlagene Schneise. Die Vorläufer des späteren befestigten Limes waren eben jene Grenzwege oder Waldschneisen, die zur Markierung des Grenzverlaufes dienten. Den durchgehenden Limes vom Rhein bis zur Donau gab es erst in der Mitte des 2.Jrh. und er war das Ergebnis zahlreicher vorangegangener Grenzkorrekturen.  


Römische Taktik am Limes

Der Limes ist mit Sicherheit nicht als Verteidigungsanlage gedacht. Er sollte in erster Linie den Grenzverlauf klar markieren (Zollgrenze) und es kleineren Stammesgruppen, die in den römischen Provinzen auf Raubzüge aus waren, schwer machen unbemerkt die Grenze zu verletzen. Auch war der Rückweg mit Raubgut beladen wesentlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Man kann auch sagen, der Limes trennte eine reichere von einer ärmeren Region (ähnlich der heutigen EU-Außengrenze). Wurde von den Wachtürmen aus eine Grenzverletzung entdeckt (1), wurde der Alarm mittels Rauchzeichen, Feuer- oder Hornsignalen an die nächstgelegenen Kastelle weitergegeben. 

So konnten die Soldaten dort ausrücken (2) und die feindlichen Horden aufspüren und vertreiben oder festsetzen (3a, 3b). Handelte es sich um einen größeren Angriff, so konnte im Ausnahmefall die nächstgelegene Kohorte/Legion ausrücken.

1. Bauphase im 1.Jrh 2. / 3. Bauphase um 130 / 170
Waldschneise mit Patrouillenweg und hölzernem Wachturm. Zuerst wurde eine zusätzliche hölzerne Palisadenwand errichtet. Um 170 wurden die inzwischen baufälligen Holztürme dann durch Steintürme ersetzt.
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4. Bauphase in Obergermanien
Ende 2. / Anfang 3. Jrh.
4. Bauphase in Raetien
Ende 2. / Anfang 3. Jrh.
Weitere Verstärkung der  Palisadenwand durch einen Wall mit vorgelagertem Graben. Errichtung einer durchgehenden, die Türme miteinschließenden 1 bis 1,20 m breiten Steinmauer.
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Geschichte des Limes  
81 - 96 Unter Kaiser Domitian wurde erstmals der Plan einer zusammenhängenden Grenzbefestigung gefasst. Noch während des Krieges gegen die germanischen Chatten (83 bis 85 n.Chr.) begannen die Römer erste Schneisen in die damals noch sehr dichten Wälder zu schlagen und legten Patrouillenwege an. Im Verlaufe des 1.Jrh. wurden die Grenzlinien im süddeutschen Raum immer mehr Richtung Nordosten vorgeschoben, um eine möglichst kurze Verbindungsstraße zwischen dem Nieder- und Mittelrhein und den Donauprovinzen zu schaffen
um 100 Bau des Limes in der Wetterau und im Odenwald (heutiges Hessen) unter Kaiser Trajan sowie Anlage erster Kastelle am Neckar und auf der schwäbischen Alb zur Absicherung der Verbindungsstaße.
um 130 Errichtung einer durchgehenden Limespalisade vor den Patrouillenwegen.
145 Kastelle am Neckar und im Odenwald werden in Stein ausgebaut.
um 155 Südlich des Main wird der Limes vorverlegt auf die Linie Miltenberg-Lorch-Aalen. Das Kastell in Aalen wird gegründet.
um 170 Ersatz der anfänglichen hölzernen Türme durch Wachtürme aus Stein.
179 Errichtung des Legionslager in Castra Regina (Regensburg)
um 200 Ausbau des Limes mit Wall und Graben in Obergermanien und Errichtung der Limesmauer in Raetien
213 Ausbau des Limestores bei Dalkingen.
ab 233 Ständige Bedrohung des Limesgebietes durch die Germanen.
242 Alamannen durchbrechen den raetischen Limes im Osten Bayerns und zerstörten die Kastelle Gunzenhausen, Kösching und Künzing.
255 Kaiser Gallienus verstärkt die Rheinarmee durch Abteilungen des britannischen Heeres und besiegt die angreifenden Germanen. Bis zum Jahre 260 schlägt Kaiser Gallienus wenigstens noch  fünfmal die Germanen zurück.
258 Die pannonischen Legionen rufen Ingenuus zum Kaiser aus. Kaiser Gallienus maschiert gegen Ingenuus mit Truppen vom Rhein.
259 / 260 Der Abmarsch der römischen Truppen vom Rhein nach Pannonien ist für die Germanen erneut das Signal zum Aufbruch und Franken und Alamannen fegen 259/60 n. Chr. die römischen Grenzwachen hinweg und stoßen über Rhein und Donau weit nach Westen und Süden vor.
260 Mit der Besetzung durch die Alamannen geht das Limesgebiet verloren.
260 / 261 Kaiser Gallienus besiegt zwar mit den rheinischen und raetischen Truppen die Alamannen bei Mailand, aber die Grenzlinie zwischen Rhein und Donau ist endgültig zerschlagen.
 
Kastelle am Limes
Aufbau
Innenbauten
Principa
Praetorium
Horreum
Lazarett
Unterkünfte
Fabrica
Kastellbad
Amphitheater
Wehranlagen
Gräben
Hindernisse
Wehrmauer
Tore (Porta)
Lagerstrassen
Kastellvicus
Besuchte Lager und Kastelle
Kastelle am Limes  
Aufbau
Die aus militärischer Sicht wichtigsten Einrichtungen am Limes waren die Kastelle. Marschlager wie Standlager (und dazu zählen auch die Kastelle) wurden immer nach einem einheitlichen Grundmuster angelegt. Abgesehen von den Marschlagern des Drusus in Germanien waren die Standlager größtenteils rechteckig, wobei die Seitenkanten ein Verhältnis von 2:3 haben sollten. 


[59] Idealisiertes Limeskastell

Die vier Tore lagen sich paarweise gegenüber und wurden von sich in der Mitte kreuzenden Straßen verbunden, der via praetoria und der via principalis. Genau über den Kreuzungspunkt befand sich die basilica des Stabsgebäudes (principia).

Typischer Grundriss eines Auxiliarkastell

Die Kastelle hatten am Obergermanisch-Raetischen Limes untereinander etwa einen Abstand von 8 -10 km. Die hier stationierten Truppen stellen auch die Besatzungen in den Wachtürmen in der Nähe sowie für Patrouillengänge.

 
Typische Gebäude eines Lager oder Kastell (Innenbauten)


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Principia (Stabsgebäude)
Die via praetoria (Straße zum Haupttor porta praetoria) führte direkt auf den Eingang dieses Gebäude. Die große Halle (basilica) lag genau auf dem Schnittpunkt der zwei großen Lagerstraßen und diente für Truppenapelle und Exerzierübungen bei schlechtem Wetter. In der principia befanden sich desweiteren die Diensträume des Kommandeurs, die Schreibstuben der Verwaltung (tabularia), die Waffenkammern (armamentaria) und das Fahnenheiligtum (aedes). Unter den Fahnenheiligtum im Keller war die Truppenkasse untergebracht.


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Praetorium (Wohnhaus des Kommandanten)
Dieses Haus stand den Stadthäusern der priviligierten Schichten in nichts nach. So konnte der Kommandeur und seine Familie auch am Limes ihren gewohnten Luxus nahezu aufrechterhalten.


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Horreum (Speicherhaus)
Hier wurden die Lebensmittel gelagert, vor allem das Getreide. Der Fußboden war auf Pfeilern aufgeständert, so dass die Luft unter dem Boden zirkulieren konnte. So blieben die gelagerten Waren trocken und verdarben nicht so schnell.
Valetudinarium (Lazarett)
Unter Kaiser Augustus wurde in allen größeren Militärlager ein Sanitätsdienst mit eigenen Militärärzten etabliert. Die Ärzte und das Sanitätspersonal (capsarii, marsi) waren nicht in Form eines eigenes Sanitärkorps wie heute aufgestellt sondern über alle Waffengattungen verteilt. Sie waren in einem Lazarett stationiert. Das römische Lazarett war ein einstöckiger Bau mit einem Innenhof, der durch das Haupttor leicht zu erreichen war. Dieser Innenhof diente als Sammelplatz für Verwundete und Gerät. Zentrum des Lazarett waren neben dem vermutlichen Operationssaal im Eingangstrakt die Korridore mit den Krankenstuben. Zwischen Korridor und Krankenstube war ein kleiner Windfang angeordner, in dem vermutlich auch das gebrauchte Material oder Geräte gelagert werden konnten. Schon in Kohortenkastellen hat man Lazarette gefunden. Die Spuren des ältesten nachweisbaren römischen Lazaretts fand man im Militärlager von Haltern an der Lippe.


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Centuria (Unterkünfte/Baracken)
Je Kammer war eine Zeltgemeinschaft (der Begriff kommt aus dem Marschlager) von 8 Soldaten untergebracht. Im größeren Bau am Kopf der Baracke wohnten die Offiziere, wie der Centurio.
 

In den Reiterkastellen gab es daneben noch zusätzlich an den Unterkünften die Ställe (stabulum) für die Pferde.

Abbildung einer Reiterbaracke in einem Kastell

Fabrica (Werkstätten) und fabricula (Magazine oder Lagerräume)
Im römischen Heer gab es viele gut ausgebildete Handwerker. Diese sogenannten immunes (Gefreiten) waren vom normalen Militärdienst befreit. Je nach Größe des Kastell/Lager gab es Erdarbeiter, Baumeister, Schiffbauer, Geschützbauer, Glasmacher, Schmiede, Waffenbauer, Rüstungsmacher, Wagenbauer, Wasserbautechniker, Bogenmacher, Klempner, Maurer, Kalkbrenner, Holzfäller, Köhler und viele andere mehr. Dem entsprechend gab es passend ausgestattete Werkstattgebäude (fabrica) und Lagerräume (fabricula) für die vielfältigen Ausrüstungsgegenstände sowie für Geräte, Wagen und sonstige Vorräte.
Kastellbad
Der Besuch der aufwendigen Bäder war auch ein fester Bestandteil des damaligen Lagerlebens. Er begann wie in zivilen Thermenanlagen im Schwitzbad (sudatorium), setzte sich im Lauwarmbad (tepidarium) fort, in dessen Wasserbecken man sich auch wusch. Danach folgte das Warmbad (caldarium), welches vor allem der Entspannung diente und abgeschlossen wurde der Badegang im Kaltbad (frigidarium). Daher war auch die Aufteilung dieselbe wie bei zivilen Thermenlagen. Die Kastellthermen befanden sich in der Regel außerhalb der Lagermauern in der Nähe eines der Tore. Daher konnte die Anlage auch von Zivilisten des nahegelegenen Kastellvicus genutzt werden.
Amphitheater
Nach neuesten Funden (Amphitheater des Kohortenlager bei Künzing im Jahre 2003, siehe Bild links) wird vermutet, dass auch kleinere Militäranlagen, wahrscheinlich aber nahezu alle Kohortenkastelle ein kleines Amphitheater oder Theater hatten. Diese waren nicht wie die in den Städten aus Stein gebaut, sondern wurden in Holz-Erde-Bauweise oder unter Ausnutzung von Hanglagen errichtet. Ein gutes Beispiel für diese Bauweise von Amphitheatern ist das in Birten noch heute sichtbare Amphitheater des Legionslager Castra Vetera I. Man hatte auch beim Militär sehr wohl erkannt, dass gute Stimmung vor allem an der Kriegsfront wichtig war für den militärischen Erfolg. Daher bildete die Unterhaltung der Legionäre gerade in den Grenzgebieten, abseits der städtischen Zentren, einen bedeutenden Aspekt bei der Planung der Militäranlagen, insbesondere hinsichtlich der Errichtung von Thermen und Theatern.
 
Wehranlagen
Verteidigungsgräben (fossae)
Die Kastelle waren rundum von ein oder mehreren Gräben, den sogenannten Spitzgräben umgeben. Die häufigste Form waren die Doppelspitzgräben. Vor den Toren waren die Gräben entweder durchbrochen (Erdbrücken als Zufahrtswege) oder wurden von hölzernen Brücken überspannt. Die Gräben dienten der Auflockerung von geschlossenen Angriffsformationen sowie der Behinderung des Heranbringen von Belagerungsgerät an die Wehrmauer. Die Breite der Gräben schwankte zwischen 2,5 und 6 Meter. Bei Kastellen mit nur einem Graben war dieser in der Regel zwischen 3,5 und 5 Meter breit. Bei zwei oder mehr Gräben waren die einzelnen Gräben eher schmaler. Die Tiefe der Spitzgräben lag zwischen 1,2 und 3 Metern. Die Breite der gesamten Grabenzone (Außenkante Wehrmauer bis Außenkante des äußeren Graben) war bestimmt durch die Schußweite der Verteidigungswaffen. Bei der Verwendung von Wurfspeeren (der häufigsten Waffe von Auxiliartruppen) waren es 15 bis 25 Meter. War die im Kastell stationierte Einheit mit den weiter reichenden Pfeilbögen oder Handschleudern ausgestattet, dann war der Bau mehrerer Grabensysteme durchaus sinnvoll. Wurfmaschinen wie Pfeilgeschütze (scorpiones) oder Steinschleudern (ballistae) gab es 1. und 2.Jrh nur bei Legionslagern. Erst im 3. Jrh. fanden diese auch in Lagern der Hilfstruppen Verwendung.
Annäherungshindernisse
Als zusätzlich Hindernisse kamen Reihen mit zugespitzte Pfählen, dornigen Ästen oder aber abgedeckte Fallgruben mit angespitzen Hölzern darin (lilia) zum Einsatz.
Wehrmauer und Türme
Erde oder Rasensodenmauer (vallum)
Die Erde zum Wall stammt größtenteils aus dem Aushub des oder der Verteidigungsgräben um das Kastell. Als Basis dienten in den Boden gerammte Rundhölzer oder Steinschichtungen, um den Wallkörper durch eine gute Drainage vor dem Einsturz zu bewahren. Als senkrechte Frontseite finden wir entweder Holzpalisaden oder wiederum Rasensoden. Bei diesem Mauertyp wurden die Eck-und Zwischentürme in Holzbauweise errichtet. Man spricht bei derart befestigten Kastellen von Holz-Erde-Bauweise. Diese war meistens die erste Ausbaustufe eines Kastell (1. bis Anfang 2.Jrh.). Später wurde viele in Steinkastelle umgewandelt.
Steinumwehrung (murus)
Hinter der aus Stein errichteten Mauer befand sich meistens ein aufgeschütteter Erdwall, der als Wehrgang genutzt wurde. Es gab aber auch Kastelle mit freistehenden Mauern. Passend dazu waren die Eck- und Zwischentürme in Steinbauweise ausgeführt.


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Porta (Tor)
Jedes größere Kastell hatte vier Tore: porta praetoria (das Haupttor), porta decumana (das hintere Tor), porta principalis dextra (rechtes Tor der via principalis) sowie porta principalis sinistra (linkes Tor der via principalis). Die Angaben für links und rechts beziehen sich dabei auf den Blick vom Stabsgebäude in Richtung des Haupttores. 
 
In der ersten Bauphase (1. bis Anfang 2.Jrh.) war anstelle der Mauer ein Erdwall und die Tore waren vermutlich aus Holz errichtet, wie bei den gefundenen Standlagern an der Lippe (z.B. Anreppen und Haltern). Mitte des 2. Jrh. wurde die Kastelle in Steinbauweisen umgebaut, der Wall wurde durch eine Mauer ersetzt und es wurde Steintore errichtet. Außerdem wurden die größeren Standlager, so auch die Kastelle, fast immer mit dem typischen Doppelspitzgraben, zu mindestens aber mit einem einfachen Spitzgraben, umgegeben.
 
Lagerstrassen
Via principalis
Verband die porta principalis sinistra (linkes Seitentor) mit der porta principalis dextra (rechtes Seitentor)
Via praetoria
Sie führte von der principia (Stabsgeäude) zur porta praetoria (vorderes Haupttor)
Via decumana
Sie führte von der Rückseite der principia (Stabsgeäude) zur porta decumana (rückwärtiges Tor)
Via sagularis
Sie war die hinter der Mauer oder dem inneren Erdwall umlaufende Wallstrasse. Sie diente dem schnellen Erreichen der Wehranlagen im Alarmfall oder dem Ein- und Ausrücken der Truppen.
Via Quintana
Parallel zur via principalis verlaufendeStrasse hinter der principia, die bei vielen Kastellen zusätzlich vorhanden war.
 
Kastellvicus 
Zu jeden größeren Militärlager gehörten auch Zivilisten, die als Händler, Handwerker, Schankwirte, Tänzerinnen oder Dirnen den Soldaten ihre Dienste anboten. Außerhalb der Ausfallstrassen der Militärlager entstanden daher die Kastelldörfer (vici). Mit zunehmender Anzahl von ansässigen Zivilisten wurden diese Dörfer zu Verwaltungs- und Wirtschaftszentren für ihr Umland. Einige dieser vici entwickelten sich zu Städten und wurden Hauptorte ihres Verwaltungsbezirkes. In den lokalen Werkzeugschmieden oder Bronzegießereien versorgten sich nicht nur die Einwohner sondern die Armee bezog bei Ihnen auch einen Teil ihrer Ausrüstung. Zimmerer und Schreiner waren in jeden Kastelldorf vertreten. Eine zentrale Funktion der Dörfer war aber auch der Umschlag sowie die Weiterverarbeitung von auf den umliegenden Gutshöfen (villa rustica) erzeugten landwirtschaftlichen Produkten wie Getreide, Obst, Gemüse und Fleisch aber auch Wein oder von importierten Gütern wie Öl und Fischsauce. Die Bebauung dieser Dörfer war immer ähnlich. Wichtiger Bezugs- und Ausgangspunkt bei der Bebauung war die aus dem Kastell kommende Strasse, an der anfänglich alle Häuserparzellen einen rechteckigen Anteil erhielten. Die darauf gebauten Streifenhäuser wurden meist in Fachwerkbauweise errichtet und besaßen zur Strasse hin einen Laden (tabernae) mit einer vorgelagerten überdachten Porticus. An die Wohnräume im hinteren Hausteil schloss sich ein Hof an, in dem der Brunnen, die Latrine aber auch handwerkliche Einrichtungen errichtet wurden. In der Nähe zum Kastelltor lagen Gebäude wie das Kastellbad oder (bei Vorhandensein) das Amphitheater.
Wachtürme am Limes
Aufbau
Besuchte Wachttürme
Wachttürme  
Aufbau und Funktion
Eines der wesentlichen Elemente des Limes waren die etwa 900 Wachttürme. Sie waren in Sichtweite zueinander aufgestellt. Bereits in der 1.Limesbauphase, als lediglich eine Schneise durch die Wälder geschlagen worden war, waren innerhalb dieser Schneise bereits stabile Türme aus Holz errichtet worden.


[101] Querschnitt durch einen steinernen Wachturm
(Zeichnung © : Heike Wolf v. Goddenthow)

Später wurden diese vielerorts in der Mitte des 2.Jrh. durch feste Steintürme ersetzt. Die Wachtürme bestanden im Inneren aus drei Ebenen. In der untersten wurden die Vorräte an Nahrungsmitteln u.ä. gelagert. Die mittlere Ebene war der Schlaf- und Wohnraum der Soldaten. Hier befand sich auch die Eingangstür, welche von außen nur über eine steile Treppe erreichbar war. In der obersten Ebene war der Wachraum, wo die Soldaten ihren Dienst versahen. Von dort konnten sie auf eine umlaufende Brüstung treten. Von hier hatte man in alle Richtungen einen weiten Blick ins Land. Im Falle eines Angriffes konnten sich die Wachtmannschaften in den Türmen so lange halten, bis Verstärkung aus den umliegenden Kastellen eingetroffen war. Diese wurde durch Rauchzeichen, Feuer- oder Hornsignale von Turm zu Turm und letztendlich bis zu den nächsten Kastellen alarmiert.